© J. Dummer

An drei Tagen im November 2016 fand das Festival MpourMontréal zum elften Mal statt. Es lockte viele Leute aus der Musikbranche in die Stadt, die sich über aktuelle Themen austauschten und auf den Konzerten an Orten wie dem Théâtre Rialto, dem Sala Rossa, dem Foufounes électriques oder dem Newspeak gemeinsam mit dem Montréaler Publikum Solokünstler und Bands wie Joe Grass, Martha Wainwright, Busty and the Bass, The Franklin Electric und KROY lauschen konnten. Es war ein bunte Mischung, bei der die englische Sprache dominierte.

Das Konferenzprogramm des Festivals bot interessante Themen wie die Veränderungen beim Radio im 21. Jahrhundert, die eventuell bald platzende Festivalblase oder der Musikexport. Das Konzertprogramm lockte mit zum Teil bereits etablierten Bands und Musikern. Am 16. November traten etwa Joe Grass, Groenland und Martha Wainwright im gut besuchten Théâtre Rialto auf. Umgeben vom prunkvollen Dekor, das einen in die Vergangenheit zurückversetzt, eröffnete Joe Grass den Abend. Der Gitarrist, der u.a. mit Patrick Watson, Marie-Pierre Arthur und Laurence Hélie auftrat, ist seit Kurzem mit seinem eigenen musikalischen Projekt unterwegs. Im September 2016 kam sein Album THE REST WILL DISAPPEAR heraus. Davon spielte er in Begleitung von Andrew Barr am Schlagzeug und Jason Sharp am Saxophon eine Auswahl der voneinander sehr unterschiedlichen Lieder, darunter „Rosemary, head hull of light“. Im Anschluss übernahmen Groenland, die in diesem Jahr auch schon durch Deutschland getourt sind. Sie versuchten dem Publikum mit ihrem aktuellen Album A WIDER SPACE einzuheizen. Martha Wainwright trat zuletzt auf die Bühne. Vor Kurzem war ihr neues Album GOODNIGHT CITY erschienen, das sie an diesem Abend vorstellte. Die Performance der selbstbewussten Musikerin in einem Blaumann war ungezwungen, wirkte manchmal aber auch sehr improvisiert, z.B. bei der Präsentation des Lieds „Franci“, das ihrem Sohn galt. Während ihres Auftritts widmete sie noch Safia Nolin den Song „Ayoye“ von der Rockband Offenbach und endete mit einer Hommage an den kurz zuvor verstorbenen Leonard Cohen.

© J. Dummer

Am zweiten Tag des Festivals fand ein Showcase in der Kirche mit dem roten Ziegeldach St. John the Evangelist u.a. von Leif Vollebekk aus Montréal statt. Er gab einen Vorgeschmack auf sein für nächstes Jahr angekündigte Album TWIN SOLITUDE.

© J. Dummer

Am Abend stand der Auftritt von Busty and the Bass im Club Soda auf dem Programm. Hinter Busty and the Bass stecken neun musikbegeisterte Jungs, die erfolgreich partytaugliche Musik auf den Markt bringen. Im gut besuchten Club Soda sorgten sie mit ihrer ausgewogenen Mischung aus klarem, rhythmischem Gesang, Rap, Jazz- und Popmusik für gute Stimmung und gaben mit Songs wie „Miss judge“ und „Tryna find myself“ ordentlich was auf die Ohren. In der Zugabe legten sie dann mit dem Cover von Macy Grey‘s „I try“ noch einen drauf. Dieses Konzert zählt zu den Highlights der diesjährigen Festivalausgabe.

Beim umfangreicheren Konzertangebot am Freitag und Samstag fiel die Entscheidung schwerer. Ich ging erst ins Foufounes électriques zum Konzert von The Franklin Electric. Der niedrige Raum war gut besucht und die Band spielte Songs u.a. von ihrem bald kommenden neuen Album. Noch vor dem Ende ging ich weiter ins Newspeak, das um die Ecke in einer Seitenstraße gelegen ist. Dort bekam ich die letzten Songs vom Auftritt von KROY mit. Auch das Newspeak war sehr gut gefüllt und die Stimmung gut.

© J. Dummer

© J. Dummer

Am letzten Abend von MpourMontréal freute ich mich auf den Auftritt von Lakes of Canada. Sie spielten im gemütlichen Sala Rossa. Bevor sie als zweite Band des Abends auf die Bühne traten, waren erst Motel Raphaël dran. Die Montréalerinnen Clara Legault, Emily Skahan und Maya Malkin gaben Songs von ihrem Album SYSTEM zum Besten. Anschließend übernahmen Lakes of Canada in leicht veränderter Besetzung als gewohnt. Sie spielten mit derselben Intensität wie ich sie von vorherigen Auftritten von ihnen kannte Songs wie „The fall“ und „The sons of Gilead“. Zum Abschluss gab es einen Song, der vom Film Interstellar inspiriert ist: „Skys will burn“ sowie „Eden“ in der A-capella-Version inmitten des Publikums.

Im nächsten Jahr geht MpourMontréal vom 15. bis zum 18. November in die nächste Runde.

Share This