Es war ein herrlicher Sommertag im Montréaler Stadtteil Little Italy, an dem ich mit einem leckeren typisch italienischen Cappuccino vor der Nase Mark Bérubé getroffen habe. Er war gerade von einigen Konzerten in Europa zurück. In Paris entstand zwischendurch eine beeindruckende Aufnahme von „Carnival“ über den Dächern von Paris. Kaum zurück in der kanadischen Metropole war er gleich im Line-up des Festivals Folk sur le canal zu finden.
Mit seinem aktuellen Album RUSSIAN DOLLS präsentierte er sich dem europäischen Publikum mit einer Musik, die unter die Haut geht und mit Songs, die zwischen Spoken Word und Poetry Slam anzuordnen sind. Im Interview hat Mark Bérubé mir verraten, dass er plant noch in diesem Jahr, nach Deutschland zurückzukehren.

 

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© J. Dummer

 

Im Mai 2014 konnte man dich auf Konzerten in Köln, München, Berlin und Hamburg sehen. Wie lief die Tour ab?

Mark: Sie war wirklich super. Die Konzerte sind ohne Probleme abgelaufen. Berlin war echt cool, Hamburg war cool, Köln war cool, wenn auch etwas kleiner. Dafür konnte ich dort beim SWR2 vorbei und ich wurde im Radio gesendet. Das war wirklich toll. Wir waren jetzt das zweite Mal in Deutschland unterwegs, das 1. Mal im Januar 2013 und wir planen bereits wieder zu kommen.

Du hast Deutschland fleißig durchquert von Süden nach Norden. Hattest du denn vereinzelt die Gelegenheit, dir die Gegenden und Städte anzuschauen?

Mark: Nein, überhaupt nicht. Wir hatten eine Nacht in Berlin, was cool war, denn wir haben Freunde, die dort wohnen. Wir haben sie getroffen, aber waren nicht wirklich in Berlin unterwegs. Das ist meistens so, wenn du auf Tour bist: du hast keine Zeit für Sightseeing, außer du bist sehr motiviert und stehst sehr früh auf.

Nach der Deutschlandtour warst du noch in Frankreich und der Schweiz. Hast du einen Unterschied vom deutschen zum frankophonen Publikum bemerkt?

Mark: Eigentlich ähnelt sich das Publikum. Das ist das Coole an der Musik, die eben nicht innerhalb von Ländergrenzen verbleibt. Ein Publikum in einem kleinen Dorf während eines Konzerts in der Schweiz oder in einem Club in Berlin, mein Ansatz bleibt derselbe. Wir verändern uns nicht oder passen uns an das jeweilige Publikum an. Das Einzige was anders ist, ist die Sprache, in der ich mit dem Publikum spreche. In den frankophonen Ländern spreche ich eher Französisch, in den anglophonen Ländern und Deutschland eher Englisch.

Bevor du durch Europa getourt bist, warst du in Kanada unterwegs. Inwiefern unterscheiden sich die Touren durch Kanada und Europa?

Mark: Sie unterschieden sich in zwei Punkten: in Bezug auf die Bevölkerung und die Entfernungen. In Europa gibt es einfach mehr Leute. Während einer Tour durch Europa bist du nach zwei bis drei Stunden auf der Autobahn bereits in einer anderen Stadt. Planst du hingegen eine Tour durch Kanada, die z.B. von Montréal nach Vancouver geht, dann bist du sieben bis acht Tage mindestens sechs bis sieben Stunden täglich unterwegs. Wenn du dann in einer Stadt in Kanada angekommen bist, dann sind dort nicht sehr viele Leute vor dir. Ein weiterer Vorteil in Europa ist, dass du gut versorgt und untergebracht bist, was in Kanada nicht immer der Fall ist.

Du machst schon ziemlich lange Musik. Wann hast du damit angefangen und wie hat sich deine Musikkarriere entwickelt?

Mark: Ich habe schon als Jugendlicher angefangen, Musik zu machen. Ich habe die ersten Songs komponiert und habe damit an Talent Shows an der Schule teilgenommen. Als ich an der Uni war folgten Auftritte in kleinen Cafés, darauf folgten wiederum Auftritte in kleinen Clubs und erste Tourneen. Damals war ich auch auf einer Tour von der Ost- zur Westküste Kanadas unterwegs. Das muss so 2008 gewesen sein. Damals geschah das alles auf eine eigenständige und unabhängige Weise. Danach begann ich mit Musikagenten zusammenzuarbeiten. Ich denke, dass es ein Beruf ist, bei dem es keine Garantien gibt.

Dein aktuelles Album RUSSIAN DOLLS folgt auf drei Alben und eine EP. Inwiefern hat sich deine Musik von den vorherigen Alben bis zu diesem verändert?

Mark: Die vorherigen Alben waren reduzierter hinsichtlich der integrierten Instrumente. Für RUSSIAN DOLLS wollten wir andere Dinge probieren, Dinge, die wir zuvor nicht gemacht hatten. Also haben wir weitere Elemente hinzugefügt. Dabei haben wir viel gelernt. Die Songs vom Album auf die Bühne zu bringen ist eine wirkliche Herausforderung. Aber das ist Teil des Prozesses „work in progress“ und ich bin sehr zufrieden mit dem Resultat.

Mit welchen Musikern arbeitest du zusammen?

Mark: Seit 2008 arbeite ich mit Kristina Koropecki zusammen. Sie ist meine Partnerin in musikalischen und geschäftlichen Angelegenheiten. Am Schlagzeug spielt Marc-André Pételle und in Kanada spielen wir regelmäßig mit Stephane Petrocca zusammen, in Europa hingegen, als wir z.B. auf Tour in Deutschland waren, haben wir mit dem Bassisten Simon Gerber gespielt, der auch mit Sophie Hunger auftritt.

Mit „Je te crois“ hast du bereits einen Song auf Französisch aufgenommen, sonst singst du hauptsächlich auf Englisch. Welche Beziehung hast du zu den beiden Sprachen?

Mark: „Je te crois“ war ein Versuch. Mein Vater ist Québecois. Meine Kindheit und Schulzeit verbrachte ich in der anglophonen Québecer Umgebung. Ich habe vier oder fünf Songs auf Französisch versucht aber ich finde es schwierig in einer anderen Sprache, die nicht die Muttersprache ist, zu schreiben. Wenn ich es wirklich wollen würde, müsste ich mir dafür viel mehr Zeit nehmen. Wenn ein Album auf Französisch einfach so entstehen würde, wäre das schon was.

Während deines Konzerts in Berlin hast du bereits angedeutet, dass du planst im November wieder nach Deutschland zu kommen. Hast du dazu schon genauere Infos?

Mark: Im Moment noch nicht. Aber ich plane für einige Zeit nach Berlin zu kommen und dort Konzerte zu geben. Das muss aber noch konkretisiert werden. Wir wollen auch wieder eine Tour machen, in die Städte zurückkehren, in denen wir bereits waren und in weitere.

Also werden wir dich bald in Deutschland wieder sehen und die Chance haben, dich live mit deinem aktuellen Album RUSSIAN DOLLS auf der Bühne zu sehen. Vielen Dank Mark Bérubé!

Erste Tourdaten für Europa finden sich bereits auf der Website von Mark Bérubé. Wenn es Daten für eine Deutschlandtour gibt, findet Ihr sie dort oder auf jennismusikbloqc in der Kategorie wer wo was wann.

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