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© J. Dummer

Am Abend des 6. November 2014 folgten viele Zuschauer der Einladung zum Eröffnungskonzert zum Festival Coup de cœur francophone von Klô Pelgag, die es für einige Tage wieder von Frankreich nach Québec geführt hat. Zahlreiche Leute warteten im Nieselregen vor dem Montréaler Club Soda darauf, rein zu kommen, während sich der Beginn eines außergewöhnlichen Abends bereits näherte. Kurz nach 20 Uhr wurde das Festival schließlich durch Alain Chartrand, dem Organisator des Festivals, eröffnet.

Durch einen geschlossenen roten Vorhang, wie er typisch für Theatervorstellungen ist, traten zwei als Tiere verkleidete Männer, die an einer Klavierorgel und einem PC eher klassische, untermalende Musik fabrizierten, wie man sie aus Stummfilmen kennt. Neben ihnen nahm ein stämmiger, bärtiger Mann auf einem Stuhl Platz und aß einen Teller mit Spaghetti in Tomatensoße.

Aus dem Abendprogramm, das beim Eingang verteilt wurde, wurde deutlich, dass es sich dabei um den ersten Akt handelte; der erste Akt eines Abends, der den Titel „Le cabinet du docteur Caligari-Banane“, „Das Cabinet des Doktor Caligari-Banane“, trug. Was das genau bedeutete, zeigte sich spätestens, als sich der Vorhang kurze Zeit später hob. Er offenbarte eine Szenerie, die keine Wünsche offen ließ.

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© J. Dummer

Das Bühnenbild entführte in eine Welt, wie Klô Pelgag sie gerne entwirft. Inspiriert von dem deutschen Stummfilm Das Cabinet des Doktor Caligari und neu interpretiert, erklang die besondere, viel gelobte Musik der jungen Singer-Songwriterin in diesem außergewöhnlichen Dekor. Es war ein Schiff mit zwei großen Segeln, auf dem sich ein Zirkus niedergelassen hat. Oder aber es war eine kleine verwinkelte Stadt, in der ein Zirkus Station machte. Was jeder an diesem Abend auch darin gesehen haben mag, es war ein magisches Universum, das vom Hier und Jetzt entführte und das ihre Songs u.a. vom Album L’ALCHIMIE DES MONSTRES auf besondere Art und Weise ins Publikum trug. So gelang es Klô Pelgag, deren Karriere ich seit zwei Jahren verfolge, mich  erneut zu überraschen und dies mehr als nur einmal an diesem Abend. Es scheint fast so, als würde es nie langweilig, einen Auftritt von ihr zu sehen. Trug sie in Hamburg auf dem Reeperbahn Festival noch einen schwarzen Overall mit einem Skelett darauf und ihre Musikerinnen weiße Kleider mit Sportcaps, wurde sie an diesem Abend zu einer Zirkusdompteurin, die mal Gitarre oder Klavier spielte, mal umher tänzelte oder sogar zweigeteilt die Bühne verließ als der Kontrabassist sich an dem Klassiker unter allen Zaubertricks versuchte und sie zersägte.

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© J. Dummer

Doch vergessen wir nicht die Banane aus dem Titel des Abends. Sie hatte ihren eigenen Auftritt und zwar in Form eines Kronleuchters, der nach „Les corbeaux“ von der Decke gelassen wurde und fortan die Szene ergänzte, während die Songs „Le dermatologue“, „Le tunnel“, „Le soleil incontinent“ und die weiteren Songs aus ihrem Repertoire ertönten. In guten zwei Stunden gab es alles, was man von einem Konzert erwartet und was man sich nie davon erträumen würde: gute Musik, Unterhaltung, Humor, ernste Themen, Zaubereinlagen, ein Zwischenakt mit Stummfilm, ein 15-minütiges Outro und eine Zugabe mit einem überraschenden Duett und einem alten Song von ihr, der weder auf ihrem Album noch auf ihrer EP zu finden ist.

Es war ein Abend voller Überraschungen, ein Abend, der mit Konventionen brach, ein Abend, an dem das Publikum Songs wie „Rayon X“ mitgesungen hat, so dass es Klô Pelgag beinah die Sprache verschlagen hat. Es war weiterhin ein Abend, an dem der Zwischenakt durch einen unvergesslichen Rap-Remix von „Taxidermie“ eingeleitet wurde. Es war ein Abend, der sich irgendwo zwischen Konzert, Theaterstück, Humorvorstellung und Performance einordnen lässt und der es somit geschafft hat, im Gedächtnis zu bleiben. Wer nicht dabei sein konnte und sich fragt, wie sich das zuvor in Worte gefasste wohl angehört haben mag, hat ab dem 13. November 2014 die Möglichkeit, sich die Aufzeichnung des Konzerts auf ICIMusique.ca anzuhören.

Coup de cœur francophone wurde mit diesem Meisterstück, das durch die Welt touren könnte, in Montréal eröffnet. Aber nicht nur in dieser Stadt erobert frankophone Musik die Bühnen, sondern in rund 45 weiteren Städten in Kanada macht das Festival Halt.

Weitere Infos gibt es auf der Festivalwebsite.

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