Tanya Tagaq verknüpft in ihrer Musik den traditionellen Kehlgesang der Inuit mit anderen Musikformen wie der Popmusik oder elektronischen Beats. In Kanada machte sie damit in den letzten Jahren bereits auf sich aufmerksam und arbeitete mit erfolgreichen Musikern zusammen wie z.B. mit Björk auf deren Album MEDÚLLA aus 2004. Ein Jahr darauf erschien ihr erstes eigenes Album SINAA, für das sie mit dem Canadian Aboriginal Music Award in drei Kategorien ausgezeichnet und in der Kategorie „Best Aboriginal Recording“ bei den Juno Awards nominiert wurde. 2008 erschien mit AUK/BLOOD ihr zweites Studioalbum und 2014 ihr drittes Album ANIMSIM, mit dem sie es erst auf die Shortlist des Polaris Music Prize schaffte und den Preis dann schließlich auch entgegen nehmen konnte.

Tanya Tagaq wuchs in Cambridge Bay (Nunavut) auf, ging in Yellonknife (Northwest Territories) zur Schule und studierte dann rund 7000 km von ihrer Heimat entfernt in Halifax am Nova Scotia College of Art and Design Bildende Kunst. Dort eignete sie sich den traditionellen Kehlgesang ihrer Vorfahren an und fand ihre eigene Darbietungsform, die bei den Hörern gut angekommen war.

Es sind einzelne Momente, Erfahrungen, Emotionen, von denen Tanya Tagaq ausgeht, um daraus einen Song zu machen, in dem es keine Worte gibt. Seufzer, Keucher, Schreie, Kreische und weitere Töne, die sie mit ihrem Kehlkopf erzeugt, kreieren einen Rhythmus und eine Atmosphäre, die den Hörer in einen Bann zieht und vielleicht sogar ein wenig überfordert. Unterstützt wird sie dabei von dem Geiger Jesse Zubot (Vancouver), dem Drummer Jean Martin (Toronto) und dem DJ Michael Red (Vancouver), die das Klangergebnis vollenden wie z.B. in dem Song „Uja“:

Mit ANIMISM zeigt die Künstlerin der Welt ihre Herkunft und Tradition, in der der Glaube vorherrscht, dass alles auf der Welt ein spirituelles Wesen besitzt. Die Erde gilt dort als Netzwerk, in dem auch der Mensch nur ein Teil ist. Tanya Tagaq verleiht dem Tierischen, der Natur und der Welt eine Stimme, die durch eine grundlegende, existentielle Tätigkeit hervorgebracht wird, die uns alle verbindet: das Atmen. So überschreitet sie mit ihrer eigenen, spirituellen Musik die Grenzen, denn die Interpretationsmöglichkeiten sind so vielfältig wie die Menschen.

Ihr aktuelles Album ist nur ein Teil von Tanya Tagaqs Musikkunst. Ein weiterer Teil ihrer Kunst zeigt sich schließlich in ihren Auftritten, die sie derzeit in Kanada und den USA hat. Auf der Bühne, und das konnte man bei ihrem Auftritt auf der Gala des Polaris Music Prize im vergangen Jahr sehen, liefert sie eine Performance ab, die kraftvoll, spirituell, eindringlich und energiegeladen ist.

In der Sendung Tonart auf Deutschlandradio Kultur vom 28. Januar 2015 habe ich mich mit Carsten Rochow über das Phänomen Tanya Tagaq unterhalten. Zum Beitrag geht es hier.

Weitere Informationen zu Tanya Tagaq gibt es auf ihrer Website.

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