© J. Dummer

Der 11. August 2015 war ein überaus heißer Sommertag in Berlin. Es war ein Dienstag, als Socalled aus Montréal gegen 21:20 Uhr auf die Bühne des Berliner Privatclubs trat. Nach einem kurzen musikalischen Intro begrüßte Josh Dolgin aka Socalled sein zahlreich erschienenes Publikum mit der Frage, ob es dazu bereit war, gemeinsam mit ihm und seiner Band in diesem dunklen, heißen Raum zu tanzen. Und ob es das war. Das zeigte sich sogleich beim Song „Work with what you got“, einer Mischung der klaren Stimme von Katie Moore und dem Rap von Socalled. Michael Winograd’s Saxophon kam darin auch gleich mal zum Einsatz. Mit Patrice Agboko und JS Williams war die Band komplett. Nach seinem Song „Peoplewatching“ vom gleichnamigen Album stellte er sich denjenigen, die ihn noch nicht kannten vor und genehmigte sich erst mal einen Schluck aus einer Vodkaflasche, die er im Anschluss an das Publikum weitergab. Erst gegen Ende des Konzerts, das zu diesem Zeitpunkt noch weit entfernt war, gelangte sie wieder auf die Bühne, noch mit einen letzten Schluck für den Entertainer, dessen Stimme ein wenig angeschlagen war.

Aber zurück zum Anfang: Das rote T-Shirt, das Socalled während der ersten Songs noch trug, war bereits nach wenigen Minuten vollgeschwitzt, so dass seine tarnfarbene Hose bald ohne T-Shirt auskommen musste. Denn Socalled beschloss es auszuziehen und lud die Leute ein, denen es ähnlich ging, es ihm gleich zu tun.

© J. Dummer

Die Stimme von Katie Moore war in vielen Songs die dominierende. Für Stimmung sorgte Socalled, der eifrig die Knöpfe seiner Maschine betätigte und von Zeit zu Zeit parallel Keyboard spielte oder mit seinem Akkordeon in Begleitung seiner Musiker durch das Publikum zog. Getanzt wurde auf Socalled’s Hip-Hop genauso wie auf seine traditionelleren Songs jüdischer Klezmermusik. Während man trotz der hohen Temperaturen weiterhin dem Beat folgte und sich bei einem Getränk wieder auflud oder Luft zufächerte, neigte sich das Konzert so langsam seinem Ende. Es wurde Zeit für die Handpuppe Tina. Tina spielte die Hauptrolle in Socalled’s Musical The Season, das 2011 in Montréal aufgeführt wurde. Sie wurde vom multitalentierten Josh Dolgin selbst angefertigt und hütete noch vor dem Konzert die Bühne. Zu „Beautiful“ führte Socalled sie über die Bühne und ließ sie die Musiker liebkosen. Der Höhepunkt war der intensive Kuss mit dem Gitarristen. Nach 1 ½ Stunden ließ noch keiner auf der Bühne nach. Es folgte ein spontaner Gastauftritt einer Sängerin aus dem Publikum, die auf der Bühne improvisierte. Nach „(These are the) Good old days“ hatte sich die Band vor dem Abschluss eine kleine Pause verdient, während Socalled allein „Fire on Hutchison Street“ spielte. In einer gelungenen Mischung seiner Songs von drei Alben – GHETTOBLASTER, SLEEPOVER und PEOPLEWATCHING – verabschiedete sich Socalled mit „House party“, einem Song, den er im Mai 2015 in Hamburg bereits mit Samy Deluxe gesungen hat. Nach zwei Stunden Party im Privatclub klatschte er das Publikum ab und nahm sich die Zeit, Alben und Vinyls zu signieren, von denen einige über die Theke gingen. Einige Minuten später war es für mich dann soweit. Ich interviewte Josh Dolgin zwischen Bühne und Backstagebereich und mit zahllosen Unterbrechungen, die das Ganze zu einem Erlebnis werden ließen. Das Interview gibt es in Kürze auf jennismusibloqc zu lesen.
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