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© J. Dummer

Seit meinen ersten Schritten durch die Metropole führen mich meine Füße regelmäßig in ein Musikparadies auf der rue Mont-Royal. Le Fox-Troc (819 Avenue du Mont-Royal E, Montréal) ist ein kleiner feiner Laden, in dem man in Ruhe stöbern kann, in dem man mit einem antiken CD-Wechsler mit abgenutzten Kopfhörern in die gefundenen Alben reinhören kann und sich auch mal das eine oder andere Werk durch die Genres und Sprachen hindurch empfehlen lassen kann. Hinter der Kasse steht einer von drei sympathischen Brüdern, die ihre Leidenschaft zur Musik teilen. Alain ist der Besitzer des Geschäfts, das es seit 1991 gibt. Im Oktober 2015 feiern sie ihr 24-jähriges Jubiläum. Marc und Sylvain komplettieren das Brüdergespann.

Nun ist es Zeit – nachdem ich meine Finger über zahlreiche Alben gleiten ließ, die alten Kopfhörer regelmäßig aufsetzte und mich durch CDs hörte, von denen einige erst in meinem Koffer und dann in meinem Musikregal in Berlin landeten -, dass ich diesen Laden vorstelle.

Die Auslage im Schaufenster lockt in das Innere, in dem man mit etwas Glück auch die neuesten Alben finden kann. Wer keine Lust auf das Durchsuchen der gut sortierten Regale hat, der fragt einfach nach. Oder lässt sich von der Musik inspirieren, die im Hintergrund läuft.

Ich habe schon so einige gute Musik im Fox-Troc entdeckt. Mein erstes Album, das ich dort gekauft habe, war PIERRE LAPOINTE DANS LA FORÊT DES MAL-AIMÉS. Auch das Debütalbum von The Barr Brothers entdeckte ich dort zufällig. Als ich es an der Kasse bezahlte, wurde ein Kunde ganz neidisch. Ich konnte ihm eine Freude bereiten, als ich ihm sagte, dass noch ein Exemplar im Regal steht. Sogleich holte er es und nahm es mit nach Hause.

Beim Hören des einen oder anderen Albums, dessen Künstler ich nicht kannte, war ich unentschlossen. Die Meinung der Musikliebhaber an der Kasse war da manchmal hilfreich. Einmal notierte mir Marc auf den Kassenbon als Empfehlung Jimmy Hunt, dessen Alben sie zu dem Zeitpunkt nicht da hatten. Ein anderes Mal tauschten wir uns über die Band Chinatown aus, die es mittlerweile nicht mehr gibt, oder über Monogrenade und verglichen unsere Meinungen über deren erste und zweite Alben.

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© J. Dummer

Ich schaue garantiert wieder vorbei und drücke die Daumen, dass solche Geschäfte in unserer heutige Zeit bestehen bleiben, vor allem, wenn es solche wie Le Fox-Troc sind. Den Namen, erzählte mir Alain, wandelten sie von einem Album ihrer Lieblingsband Genesis ab. FOXTROT erschien 1972. Die Geschichte des Ladens zeigt sich auch an der Wand hinter der Kasse, vor der ich Alain fotografierte. Die Wand zieren eine Menge Aufkleber, darunter einige mit dem Logo des Ladens. Es ist ein weiterer Bruder, der Grafiker ist und jeden Monat einen neuen entworfen hat. Weil der Platz eng geworden ist, hat er ein Album angelegt. Vielleicht zeigt er es ja mal, wenn man ihn danach fragt.

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