John K. Samson war der Frontmann der Indie-Rockband The Weakerthans. Die Band habe ich vor vielen Jahren entdeckt und 2006 in Heidelberg zum ersten Mal live gesehen. Am 9. Mai 2017 hatte ich nun die Gelegenheit, John K. Samson wieder in Deutschland auf der Bühne zu sehen, denn auf seiner aktuellen Winter wheat-Tour trat er auch im Bi Nuu in Berlin auf. Nach dem Ende von The Weakerthans ist WINTER WHEAT bereits das zweite Album, das er solo veröffentlicht hat. Dieses Mal haben seine ehemaligen Bandkollegen Jason Tait und Greg Smith daran mitgewirkt.

© J. Dummer

Der Club war voll und die Stimmung gut, als der Sänger in Begleitung seiner Bandkollegen und Christine Fellows, die den Abend mit ihren Folksongs eröffnet hat, auf die Bühne trat. Mit „Select all delete“ starteten sie den Abend, gefolgt von „Sun in an empty room“ vom letzten Weakerthansalbum. Dann begrüßte John K. das Publikum: „Wir sind eine Soft-Rockband aus Kanada. Wir haben ruhige und rockige Songs dabei, laute und leise und wir freuen uns, hier zu sein.“ Es folgte wirklich ein interessanter Mix aus dem Pool an Songs von den vier Alben der Weakerthans und den beiden Soloalben des Sängers aus Manitoba. In „Alpha adept“ forderte er für sein Gitarrensolo Applaus vom Publikum, das sich anfangs noch ein wenig zurückgehalten hat. Bei „One great city!“, das er allein spielte, setzte das Publikum beim Refrain „I hate Winnipeg“ ein. Nach „17th Street Treatment Centre“ gesellten sich Jason Tait an der Bassgitarre, Greg Smith am Schlagzeug und Christine Fellows am Keyboard wieder zu ihm und zeigten mit „Aside“ ihre rockige Seite.

© J. Dummer

Wie kontrastreich die Songs von John K. Samson sind, zeigt die Aufeinanderfolge vom lauten „Confessions of a futon-revolutionist“ und dem ruhigeren „The last and“ von seinem ersten Soloalbum PROVINCIAL. Noch ein paar weitere Songs standen auf der Playlist des Abends, bevor mit „Winter wheat“, dem Titelsong seines aktuellen Albums und seiner Tour, der offizielle Teil des Konzerts zu Ende ging. Aber weder das Publikum noch John K. Samson und seine Band hatten damit genug und so dauerte es nicht lange, bis sie wieder auf der Bühne standen. John K. hatte seine Gitarre mit einem „Sign in“-Aufkleber erst gar nicht abgelegt, sondern umbehalten, sodass die Zugabe gleich mit „Pamphleteer“ vom Weakerthansalbum LEFT AND LEAVING eingeleitet wurde. Nach dem folgenden „Left and leaving“ vom selben Album bedankte er sich für die Aufmerksamkeit der Leute und kündigte den letzten Song an. Er stimmte „Utilities“ an, was mich besonders gefreut hat, denn den Song habe ich zum ersten Mal auf dem Konzert in Heidelberg vor elf Jahren gehört. Es war einfach wunderbar und für mich ein gelungener Abschluss.

Aber es war doch noch nicht vorbei. Die Band verließ nach dem Verklingen der letzten Töne die Bühne. John K. Samson blieb noch da und spielte „Virtute at rest“. Somit schloss sich der Kreis, denn der Auftritt hatte mit „Select all delete“ begonnen und klang mit dem letzten Song von WINTER WHEAT aus. Aber immer noch hatten Publikum und Band nicht genug. Sie kamen für eine zweite Zugabe noch einmal auf die Bühne, erst dann war es vorbei. Nach diesem gelungenen Abend habe ich seine Alben wieder hervorgeholt und höre mich durch die Songs von John K. Samson.

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