© J. Dummer

In Trois-Rivière fand das Musikfestival FestiVoix bis zum 5. Juli 2015 statt. An den Abenden warteten tolle Konzerte auf den Zuschauer z.B. auf der Bühne, die am Fluss Sankt-Lorenz gelegen war. Dort traten am 2. Juli 2015 Fanny Bloom und Pierre Lapointe auf; Philippe B gab im Anschluss ein intimeres Konzert in der Bar Zénob.

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„Piscine“ von Fanny Bloom war der offizielle Song der diesjährigen Ausgabe des FestiVoix. Hatte sie bei ihrem Auftritt im Métropolis in Montréal noch fliederfarben gefärbte Haare, wirkte sie dieses Mal wie ein Gothicgirl. Dem schönen Wetter sei Dank trat sie barfuß auf die Bühne in Trois-Rivières, wo sie sich nach eigener Aussage wie in ihrem eigenen Wohnzimmer fühlte. Hinter ihrem Keyboard spielte sie ihre neuen Songs, trat aber auch so manches Mal davor, um das noch verhaltene Publikum zu animieren. Auch das Verschlucken einer Fliege konnte sie nicht daran hindern, am frühen Abend einen guten Auftritt gemeinsam mit Philippe Bilodeau am Schlagzeug und Stéphane Leclerc an der Gitarre zu liefern. Im Anschluss daran stand Pierre Lapointe auf dem Programm.

Pierre Lapointe ist ein Unikum. Er hat sein Publikum im Griff wie kaum ein anderer. Mit seinen Musikern Félix Dyotte, Francis Mineau, Denis Faucher und Amélie Mandeville war er nach Trois-Rivières gekommen, um seine Show PUNKT zu spielen und um das Publikum herauszufordern. Das gelang dem Coach der dritten Ausgabe von La Voix ganz gut. Ohne die bunten Luftballons als Inszenierung wie etwa im Olympia in Paris zu Beginn des Jahres 2014, transportierten sie das Universum des Albums, das mal spielerisch, mal deprimierend und düster ist, auf die Bühne. Gekrönt wurde das Ganze von angepassten Versionen von „Le columbarium“, „Le lion imberbe“ und „Au bar des suicidés“.

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Wer nach den Auftritten von Fanny Bloom und Pierre Lapointe auf der Hauptbühne noch nicht genug hatte, der ging in eine der umliegenden Bars, in denen die Bühnen wesentlich kleiner waren. Ich ging in’s Zénob, wo es nur noch wenige Stehplätze gab, als Philippe B in Begleitung der Sängerinnen/Musikerinnen Josiane Paradis und Amélie Mandeville seine verhaltene, anekdotenreiche Musik vortrug. In der besonderen Geräuschkulisse einer überschaubaren Bar gelang es ihm schnell, eine gute Atmosphäre zu schaffen. Seinen Auftritt beendete er mit dem langsamsten Song seines Repertoires, um kurz darauf als Zugabe „Feuilles mortes“ von Serge Gainsbourg zu spielen.

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Am 3. Juli 2015 freute ich mich auf das Konzert von Bernard Adamus. Im vergangenen Sommer hatte ich ihn auf dem Konzert zum Nationalfeiertag in Québec (Stadt) zum ersten Mal gesehen. Das Publikum um mich herum war genauso gespannt wie ich und rief den Musiker, der 2010 die Francouvertes gewonnen hat, erwartungsvoll auf die Bühne. Mit einer kleinen Blaskapelle kam er dann auch in seinem typischen Bühnenoutfit, das aus einem T-Shirt, einer zerschlissenen Jeans und nackten Füßen bestand. Die Setlist war spontan entworfen, wie Bernard Adamus verkündete und enthielt Songs wie „La brise“ und „La question à 100 piasse“ von seinem Debütalbum BRUN. Mit „Hola les lolos“ stellte er einen neuen Song vor, der auf seinem dritten Album zu finden sein wird, an dem er gerade arbeitet. Der Musikwunsch einiger Leute aus dem Publikum – „Le fou de l’île“ – blieb an diesem Abend unerfüllt, dafür stellte Bernard Adamus zum Abschluss seine Band singend vor.

Am Sonntag, den 5. Juli 2015, fand auf der Hauptbühne am Fluss das große Abschlusskonzert gleich mit drei Bands statt. Emilie & Ogden eröffnete den Abend mit ihrem alternativen Folk, in dem sich das Harfespiel und der klare Gesang der Singer-Songwriterin Emilie Kahn mit dem Bass und Schlagzeug ihrer Begleiter verband. Der Auftritt von Emilie & Ogden, wobei Ogden auf die Harfe verweist, zählte zu den Neuentdeckungen in diesem Sommer. Im zweiten Teil des Abends folgte ein reich bejubelter Auftritt von The Franklin Electric, die bereits im vergangenen Jahr im Programm des FestiVoix zu finden waren. Der Frontmann der Band, Jon Matt, wechselte zwischen Keyboard, Trompete und Piano und hatte zwischen den Songs von ihrem Album THIS IS HOW I LET YOU DOWN warme Worte für das Québecer Publikum, dessen Unterstützung er sehr schätzt. Mit der erfolgreichen Single „Unsatisfied“ verabschiedeten sich The Franklin Electric.

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Somit blieb nur noch der krönende Abschluss eines gelungenen Festivals mit dem Auftritt von Patrick Watson. Der sympathische, kindsköpfige Patrick Watson spielte mit seiner Band die Songs von seinem Album LOVESONGS FOR ROBOTS. Nach seinem Konzert im Mai 2015 in Berlin war es für mich die zweite Gelegenheit, ihn live auf der Bühne zu sehen. Unter freiem Himmel war sein Konzert bezaubernd. Bereits die ersten beiden Songs „Love songs for robots“ und „Good morning Mr. Wolf“ überzeugten. Bei einigen Songs wurde die Band von Backgroundsängerinnen unterstützt, die vor allem im letzten Song des Abends und des Festivals, „Know that you know“, die Aufmerksamkeit auf sich zogen. Besonders beeindruckend war aber auch die Performance von „Alone in this world“ gemeinsam mit dem Gitarristen Joe Grass.

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Die 22. Ausgabe des Musikfestivals in Trois-Rivières, das am 26. Juni 2015 u.a. mit dem Auftritt von Les Cowboys fringants auf dem FestiVoix begonnen hatte, endete am 5. Juli. Doch nach einer positiven Bilanz steht der Termin für eine weitere Ausgabe des FestiVoix im kommenden Jahr bereits fest: 26. Juni bis 3. Juli 2016.

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